Einblicke ins Frühwerk

Die Arbeiten am Katalog kommen voran. Wir haben den Erscheinungstermin Juni 2017 bestätigt. Er wird auch Einblicke in das Frühwerk und die Fluxus-Auftritte von Albrecht/d. geben. Das Jugendhaus Stuttgart-Zuffenhausen war mehrmals Schauplatz früher Performances von Albrecht/d., über die sogar die Stuttgarter Zeitung berichtete.

Dort stellte er auch 1968 das Environment „r raum r wie reflection“ aus, das im Titel erstmals das Wort reflection enthielt. Im gleichen Jahr gründete Albrecht/d. die reflection press als verlegerische Komponente seiner künstlerischen Arbeit.

Im Dezember 1986 zeigte der Württembergische Kunstverein mit der Ausstellung „Im Material“ eine Auswahl deutscher Kunst der 1960er Jahre, darunter auch Werke von Dieter Fricker und Albrecht/d.

Im Interview mit Bruno Demattio würdigte Kuratorin Barbara Heuss-Czisch auch Albrecht/d.s Anteil an der künstlerischen Innovation der späten 1960er Jahre. Das Interview erschien in ketchup 12/86.

Demattio schreibt in der Einleitung: „Diese Konfrontation blieb nicht ohne Einfluss auf die Künstler und ihre Kunst, jedoch die braven Formen-der-Farbe-Maler machten damals das Rennen, man konnte sie besser verscherbeln, und die Objektmacher wurden als belanglos belächelt, die politisch engagierten gar ins Abseits gedrängt.“

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Quadratmetertausch 2003

2003 initiierte der Stuttgarter Künstler Frank Gräfe das Langzeitprojekt „Quadratmetertausch“. Die Grundidee basierte auf tradierten Tauschsystemen und -ritualen, die auch Weihnachtswichteln, Kettenbriefen oder Mail-Art zugrunde liegen: Jeder gibt etwas und jeder bekommt etwas, aber keinesfalls das, was er selbst gegeben hatte.

Frank Gräfe lud dazu ein, einen Quadratmeter Boden zu tauschen. Mit Albrecht/d. meißelte er zu diesem Zweck Teile eines Quadratmeters aus dessen Atelierboden. Der Ausbruch sollte mit Gießharz wieder zu einer quadratmetergroßen Fläche zusammengefügt werden.

Im Rahmen des Projekts gelangten so erwartungsgemäß Quadratmeter aus sehr unterschiedlichen Materialien und sehr unterschiedlicher Beschaffenheit in Umlauf. Das Projekt wurde teilweise dokumentiert. Eine Ausstellung der Bodenteile erfolgte jedoch nicht.

Der in Bröseln vorliegende Quadratmeter aus dem Atelier Albrecht/d.s ging leider komplett verloren. 2014 zeigte die Oberwelt e.V. im Rahmen der Ausstellung „Die Vernunft des Wahnsinns- Georg Büchners ‘Lenz‘“ eine Rekonstruktion des Atelierbodens. Auf einem Stück Teppichboden wurde mit schwarzer Farbe der Bereich des Quadratmeters aufgetragen, den Frank Gräfe und Albrecht/d. nicht mehr ausgemeißelt hatten. Besucher wurden aufgefordert, die dem ausgemeißelten Teil entsprechende Fläche mit gekautem Kaugummi aufzufüllen und ihn auf diese Weise wieder „herzustellen“. Es blieb jedoch nicht aus, dass auch Kaugummi auf den schwarzen Bereich geklebt wurde.

Die Aktion – über ein Jahr nach Albrecht/d.s Tod – war der erste Versuch, mit einem öffentlichen Aufruf das Andenken Albrecht/d.s in Stuttgart aufrecht zu erhalten, nachdem von institutioneller Seite zunächst keine offizielle Würdigung zustande gekommen war. Diese Initiative mündete, zusammen mit den Ansätzen von anderen Personen, letztlich in die Organisation des Abends für Albrecht/d. und die Ausstellung im Württembergischen Kunstverein vom 04.12.2015 – 17.01.2016 durch ein Kollektiv von Personen, das das Werk Albrecht/d.s für die Öffentlichkeit erhalten will.

Im Zuge der Sichtung des Nachlasses von Albrecht/d. wurde auch der Entnahme-Ort dieses Quadratmeters wieder gefunden, auf dem Albrecht/d. zuletzt ein Regal stehen hatte. Die Fotos der Entnahmestelle wurden noch nie öffentlich gezeigt.

Die Narbe im Kellerboden dokumentiert den Austausch mit einem bzw. die Unterstützung eines jüngeren lokalen Künstlers, wie sie für die Aktivitäten von Albrecht/d. bis zuletzt bestimmend waren. Der dafür eingetauschte Gegenquadratmeter fand sich im Nachlass nicht. Über seinen Verbleib ist nichts bekannt.

Season’s Greetings

Albrecht/d. war Buddhist. Er setzte sich immer wieder mit Religion auseinander. Die Instrumentalisierung von Religion für Kommerz, Herrschaftserhalt, Unterdrückung, Gewalt, Mord und Krieg findet sich an vielen Stellen seines Werkes.

Weihnachtsgrüße von Albrecht/d. waren folglich immer auch Aufforderungen zum Nachdenken und Persiflage.

In diesem Sinne wünschen wir allen, die Albrecht/d. kannten, allen Freunden seiner Kunst und allen Besuchern dieser Seite besinnliche Weihnachten und Alles Gute fürs neue Jahr.

weihnachtsgrusse-seifenoper

Der Katalog kommt

albrecht-d texte 003Im Zuge der Vorbereitungen für die Ausstellung im Württembergischen Kunstverein erwuchs der Wunsch, dem Werk Albrecht/d.s einen Raum einzurichten, der über die Ausstellung hinaus weist, diese überdauert und der unter Umständen sogar auch künftige Ausstellungen von Albrecht/d.s Werk begleiten könnte. So entstand diese Seite.

Während der Arbeiten an dieser Seite entstand auch die Idee einer analogen Dokumentation, eines Katalogs, der als Bestandsaufnahme dient, und der wie dieser Internet-Auftritt eine Basis schaffen soll für Interessierte, und der ermuntern soll sich weiter mit dem Werk Albrecht/d.s zu beschäftigen.

Die Arbeiten haben begonnen, erste Layout-Entwürfe sind entstanden, erste Texte geschrieben. Wir werden in den kommenden Monaten gelegentlich Einblicke in die Arbeit am Katalog geben. Beginnen möchten wir mit einem Blick auf den Schreibtisch, auf dem ein Teil der Quellen zu sehen ist, die für den Katalog herangezogen werden können.

Global denken – lokal handeln

Albrecht/d. suchte schon Ende der 1960er Jahre den Kontakt zu anderen Künstlern innerhalb und außerhalb Deutschlands. Geografische Grenzen gab es in seinem Kunstverständnis nicht. Seine buddhistische Weltanschauung und sein Selbstverständnis als politischer Künstler, der allgegenwärtige und globale Themen aufgreift (Umwelt, Gewalt, Hunger, Soziale Ungleichheit, Kommerzialisierung des Alltags usw.) ließen seine Arbeit thematisch global werden und auch sein Arbeiten. Seit Beginn seiner künstlerischen Arbeit erweiterte Albrecht/d. sein internationales Netzwerk unter anderem durch unzählige Beiträge zu Mail Art Aktionen auf der ganzen Welt.

Dennoch war er immer wieder bestrebt auch lokal zu handeln und vor Ort aktiv zu sein. Er unterstützte die Obdachlosenhilfe, viele lokale politische Initiativen und auch die Arbeit der Lokalzeitung Stuttgarter Osten. Hier das Plakat zum Fest im Theater im Depot am 29.04.1994.

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Plakat zum Fest für die Lokalzeitung „Stuttgarter Osten“.

 

Neue Startseite

Wir haben die statische Startseite durch eine dynamische ersetzt. Dies ermöglicht uns eine flexiblere Präsentation des Werks von Albrecht/d. indem wir auch Arbeiten vorstellen können, die nicht zwangsläufig einem Zyklus oder einer Serie zuzuordnen sind.

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Entwürfe für Instrumente (undatiert)