Bambus

Bereits Anfang der 1970er Jahre begann Albrecht/d. mit Bambus zu arbeiten. Die Faszination für Bambus ging mit der Beschäftigung mit asiatischer, vor allem balinesischer Tradition und Musik einher. Die extrem vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von Bambus kamen der Vielschichtigkeit seines Werkes als wiederkehrendes gemeinsames Element und materielles Bindeglied entgegen. Andererseits kam dieser Vielseitigkeit auch eine inhaltliche Bedeutung in Albrecht/d.s Arbeit zu. Lange bevor die Graspflanze in Europa als Deko- und Zierpflanze modern wurde setzte er sie als Symbol für Natur, Leben und den buddhistischen Einklang von Leben und Natur ein.

Albrecht/d. baute zahlreiche seiner Instrumente aus Bambus. Teilweise handelte es sich dabei um Blasinstrumente, die in kleineren Varianten wie Flöten funktionierten, längere und größere Blasinstrumente hatten eher Ähnlichkeiten mit Alphörnern. Albrecht/d. nutzte Bambusstöcke als Klanghölzer, als Stöcke um Perkussionsinstrumente zu schlagen und als Halterungen für Saiteninstrumente.

Im Laufe der Zeit wurden die Bambusinstrumente komplexer und technisch raffinierter. Mit Stahlsaiten bespannte Bambusplastiken waren Exponat und Instrument zugleicht. Ein ausgehöhlter mit mehreren Löchern versehener Bambusstab an einem Ledergriff konnte geschwungen werden und erzeugte je nach Geschwindigkeit des Schwingens unterschiedliche Klänge.

Das „St. Wendeler Kreuz“, ein Geschenk an den Kunstverein St. Wendel und Betreiber der dortigen Galerie im Zwinger bestand aus Holz, Bambus, Draht und daran aufgereihten leeren Bierdosen. Auch dies war eine bespielbare Plastik. Der Materialmix und die Einbindung von sogenannter „Abfall-Perkussion“ war typisch für die Werke des Instant Life/Love/Death-Zyklus.

Auch im bildnerischen Bereich fand Bambus immer wieder Eingang in das Werk Albrecht/d.s. Für die Ausstellung von Copy Bites wurden Bilder auf Bambusstäbe gewickelt oder wie Fähnchen daran befestigt. Die Stäbe wurden an Drähten im Ausstellungsraum aufgehängt und wirkten teilweise wie überdimensionale schwebende Ess-Stäbchen. Die gesamte Installation war vollständig begehbar so dass der Besucher letztlich ein Teil der Installation, also förmlich eins mit ihr wurde. Obwohl die Bilder und Stäbe Artefakte waren, bot die Ausstellung durch die organischen Materialien Papier und Bambus dennoch ein Eintauchen in die symbolisierte, aber künstlerisch veränderte Natur.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgte die Installation „Die wunderbare Welt des Bambus am Limes in Aalen“, 1998. Am Stadtbach konzipierte Albrecht/d. eine Freilicht-Installation. Sie bestand aus unterschiedlich langen Bambusstäben, die an zwischen Laternenpfählen gespannten Drähten befestigt wurden. An und teilweise zwischen den Bambusstäben waren Holzstäbe und Ess-Stäbchen angebracht. Die gesamte Konstruktion enthielt dadurch eine Vielzahl beweglicher Teile. Bei jedem Luftzug erzeugte die Installation Klänge, die je nach Stärke des Windes variierten. Auch hier war Bambus das zentrale Material für eine bespielbare Installation, die in diesem Fall vom Wind, also von der Natur selbst bedient wurde. Passanten und Interessierte wurden so Zeugen einer von der Natur erzeugten Musik, die in Verbindung mit der Installation zum Nachdenken und Innehalten einlud. Die Installation war im Rahmen der Ausstellung Innen – Aussen des Kunstvereins Aalen vom 25.09. – 15.11.1998 zu sehen. An der Ausstellung nahmen 20 Künstler teil, deren Beiträge an neun verschiedenen Orten der Aalener Innenstadt präsentiert wurden.

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