Albrecht/d. über Fotokopie

kein statement – sondern ein paar fragmentarische Überlegungen, fast privater natur (erinnerungen), zum gebrauch des mediums fotokopie in meiner kunst/antikunst (ex art) – (kinky beaux arts) etc.:!

zwischen 1962 und 1966 arbeitete ich an einer bank und sah den einsatz der fotokopie im büroalltag.

für mich war die unschärfe dieser ersten kopierautomaten im gegensatz zur brillianz der schwarz-weiss-fotos wirklich faszinierend.

der zufall in den grauwerten, denn ein echtes schwarz ist ja immer noch ein zufallstreffer in modernster kopiertechnik, erinnerte mich an die zufallseffekte in der malerei, die damals in grosser blüte stand. eine ähnliche zufallsästhetik sah ich in plakatabrissen, die ich von 1960 bis 1965 auf den strassen sammelte bzw. anfertigte. mir war unbekannt dass künstler in frankreich zur gleichen zeit plakatabrisse als künstlerisches medium gebrauchten.

nach 1965 begann ich durch fotokopieren von collagen verfremdungseffekte zu erzielen und erst 1969 war klaus staeck der erste, der die ästhetik der fotokopie akzeptierte und fotokopien statt fotos von aktionen zum abdruck im katalog <<intermedia heidelberg 1969>> annahm. 1968 begann ich auf einem kopierautomaten (zinkkopie) passbildgrosse vorlagen auf din a 4 aufzublasen und sie zu collagen bzw. grafiken zu verarbeiten.

in der zinkkopie gibt es kein weiss und kein schwarz, aber die nuancen des grau sind von unwahrscheinlicher vielfalt und sensibilität, die von modernen kopierern heute nicht wieder erreicht werden kann. auch verändert sich die kopie nach jahrzehnten nur gering.

nachdem ich 1976 mit der arbeit am rank-xerox-farbkopierer begonnen hatte, begann ich die differenzierung in der zinkkopie mehr zu schätzen. das farbpulver (toner) im modernen trockenkopierer hat fast den opaken charakter wie der siebdruck und seine schwächen entsprechend. der 3-m trockenkopierer bereicherte ab mitte der siebziger jahre die kopiertechnik um die farbe braun mehr unfreiwillig, denn die 3-m-kopien (ursprünglich in schwarz) verändern sich nach jahren durch aufhellen in richtung braun.

die akzeptanz der kopie in der bildenden kunst ist in den drei jahrzehnten enorm gestiegen und es freut mich dass jetzt im dritten jahrzehnt meiner künstlerischen arbeit mit der fotokopie viele junge künstler die ästhetik der fotokopie schätzen und sie als medium für künstlerisches arbeiten entdecken.

Albrecht/d., veröffentlicht in APEX ein Kunstmagazin, Heft 6/1989

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