Albrecht/d. und Joseph Beuys

Die bekannteste Kooperation von Albrecht/d. und Joseph Beuys war das Konzert im ICA (Institute of Contemporary Arts) in London am 1. November 1974.

1973 hatten im Kunstverein Hannover Albrecht/d., Joseph Beuys, KP Brehmer, Hans Haacke, Dieter Hacker, Siegfried Neuenhausen, Klaus Staeck und Wolf Vostell unter dem Motto „Kunst im Politischen Kampf“ ausgestellt, und an einem Symposium teilgenommen. Hierzu hatten alle beteiligten Künstler einen Satz identischer Fragen beantwortet. Die Fragen und Antworten waren in der Publikation zum Symposium veröffentlicht und damit auch gegenüber gestellt worden.

Für die Ausstellung in London fand am 26./27. April 1974 eine Vorbesprechung bei Christos M. Joachmides in Berlin statt. Da die Vorstellungen Vostells mit denen der anderen Künstler nicht vereinbar waren, zog dieser sich aus dem Projekt zurück. Statt Siegfried Neuenhausen nahm Gustav Mezger an der Ausstellung in London teil. Während der Vorbesprechung entstand der Ausstellungstitel „Art into Society – Society into Art“ und das Logo mit den beiden parallelen Pfeilen, die in entgegengesetzte Richtungen zeigen. Der Untertitel war „Seven German Artists“. Die Ausstellung war für 30. Oktober bis 24. November 1974 angesetzt.

Beuys sprach sich gegen jegliche Art von retrospektiver, dokumentarischer Präsentation aus. Sein Beitrag würde vor allem aus seiner Präsenz bestehen, er wollte eine Art permanente Schule für die Besucher bieten. „Vier Tafeln, rote und weiße Kreide und eine Holzkiste“ genügten.

Der Vorschlag von Albrecht/d. im ICA eine Performance der endless music aufzuführen, fand bei der Gruppe ebenfalls Zustimmung. Beuys erkläre, er würde dabei gerne mitwirken.

Während Beuys auf seine persönliche Präsenz und die Entwicklung aus der Situation setzte, war die Arbeit von Albrecht/d. das Ergebnis einer aufwändigen, intensiven und langwierigen Recherche und Beschäftigung mit dem Thema. „Drought in Africa“ bestand aus fotokopierten Tafeln, teils zu Ensembles montiert, die auf die Dürre in der Sahel-Zone, menschliche Ursachen und ihre Folgen hinwiesen. Die akribisch journalistisch aufbereitete Präsentation, die 1975 auch im Württembergischen Kunstverein zu sehen war, war in der Kombination von Kunst und Journalismus und ihrer Thematischen Verknüpfung von Kolonialpolitik, Postkolonialkriegen, Vertreibung, verfehlter Agrikultur, verfehlter Entwicklungshilfe an korrupte und despotische Machthaber und der daraus resultierenden ökologischen Zerstörung des Sahel-Gürtels ihrer Zeit weit voraus.

So unterschiedlich die Ausstellungsbeiträge der beiden Künstler waren, so unkompliziert gestaltete sich ihr Zusammenwirken in der Performance, in der beide ihre Erfahrung aus der Fluxus-Bewegung entfalteten. Von dieser Performance wurde ein Mitschnitt angefertigt, der bei reflection press 1976 auf LP erschien. Auf der Hülle waren zahlreiche Fotos der Performance abgedruckt, die eine Vorstellung von dem Geschehen vor Ort vermittelten.

Für eine limitierte Auflage der LP gestalteten die beiden Künstler eine zusätzliche Hülle, für die durch Fotokopie verfremdete Fotos von der Performance noch einmal überdruckt wurden. Joseph Beuys gestaltete die Vorder- und Albrecht/d. die Rückseite. Von dieser Auflage signierten beide Künstler 99 Exemplare, jeweils auf der von ihnen gestalteten Seite.

Nach der Ausstellung im ICA entwickelten sich Albrecht/d. und Joseph Beuys immer weiter auseinander, so dass kaum weitere gemeinsame Aktivitäten zustande kamen.

Nach Beuys‘ Tod am 23. Januar 1986 sammelte Albrecht/d. Presseberichte zu dessen Tod und Nachrufe und veröffentlichte sie als reflection press Nr. 40 unter dem Titel „Joseph Beuys Tod im Spiegel der Presse“.

1988 fand im WERK in Gablenberg eine Ausstellung der Arbeiten statt, die Joseph Beuys 1981 zu einer Solidaritätsausstellung in eine besetztes Haus nach Berlin geschickt hatte. Das Haus hatte einem der größte Sammler von Beuys gehört, Dr. Erich Marx, dessen Sammlung Lothar Späth nach Stuttgart holen wollte. Sie sollte in der geplanten „Kulturmeile“ untergebracht werden, die letztlich nie fertiggestellt wurde.

Die Arbeiten „für die Hausbesetzer“ waren vom 28.08. – 17.09.1988 im WERK zu sehen. Zur Eröffnung spielten Albrecht/d. und Franz Dreyer als „abstract energy“.

Der auf LP veröffentlichte Mitschnitt der Performance im ICA London 1974 ist inzwischen auf Youtube abrufbar.

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