Marktplatz Stuttgart 1980

Mit der Eröffnung des Dorotheen-Quartiers flammt auch die Diskussion um die Aufwertung des Marktplatzes wieder auf.

Dass der Platz seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg immer eher von verwaltungstechnischem Pragmatismus geprägt war, als eine identitätsstiftende und kulturelle Rolle im Herzen Stuttgarts einzunehmen liegt nicht nur an der Nähe der städtebaulich attraktiveren und durch den ÖPNV besser angebundenen Flächen am Schlossplatz und am Schillerplatz.

Seit dem Ausbau der B 14 liegt der Platz näher am Rand des „City-Rings“ als im Zentrum der Innenstadt. Und die architektonische Botschaft der Neubauten am Platz verstärkte den Effekt. Nicht nur die Fassade des Rathauses zeigt sich zum Platz hin eher kühl, vor allem die Fassade des Breuninger-Kaufhauses grenzt sich zum Platz hin schroff ab, statt sich zu öffnen.

1975-80 gehörte Albrecht/d. dem „Ausschuss Kunst und Bauen – beratender Ausschuss für den technischen Ausschuss des Gemeinderats der Stadt Stuttgart“ an.
1980 führte er eine Aktion auf dem Marktplatz durch, bei der mittels Schablone und Dispersionsfarbe stilisierte Tierdarstellungen auf den Bodenplatten des Platzes aufgebracht wurden. Die Kunstaktion fand im emotional aufgeheizten Bundestagswahlkampf 1980 statt. Die Fotos zeigen teilweise den Infostand der SPD, deren Mitglied Albrecht/d. viele Jahre war.

Räumlichkeit nahm in Albrecht/d.s Schaffen einen besonderen Stellenwert ein, da sie nie Selbstzweck war. Albrecht/d. beschäftigte sich mit Räumlichkeit nicht in bildhauerischer Absicht oder mit dem Ziel Raum durch Rauminstallation bewusst erlebbar zu machen. Er nutzte Raum als Teil seiner Botschaft, indem er seine Kunst im Raum dreidimensional entfaltete. So spielte die Aktion im Wahlkampf einerseits auf den Herdentrieb und die einförmige Enge geradliniger Lebensläufe an. Nebenbei wurde auch die Räumlichkeit des Platzes ins Bewusstsein der Passanten gerückt und (Lebens-)Wege symbolisiert, die sich auf dem Platz kreuzten.

Die Bilder, die seine Aktion dokumentieren, zeigen einerseits die Dimension der Arbeit. Sie werfen aber auch als (damals kaum beachteten) Nebeneffekt ein klares Licht auf die stadtplanerischen Fehler, die den Platz zum reinen Vorhof zwischen Rathaus und Kaufhaus und zum verbreiterten Verbindungsweg zwischen Stadtquartieren degradierten, statt eine offene Architektur zu fördern, die die Fläche den Menschen zum Verweilen und als lebendigen Treffpunkt im Herzen der Stadt erschlossen hätte.

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