Quadratmetertausch 2003

2003 initiierte der Stuttgarter Künstler Frank Gräfe das Langzeitprojekt „Quadratmetertausch“. Die Grundidee basierte auf tradierten Tauschsystemen und -ritualen, die auch Weihnachtswichteln, Kettenbriefen oder Mail-Art zugrunde liegen: Jeder gibt etwas und jeder bekommt etwas, aber keinesfalls das, was er selbst gegeben hatte.

Frank Gräfe lud dazu ein, einen Quadratmeter Boden zu tauschen. Mit Albrecht/d. meißelte er zu diesem Zweck Teile eines Quadratmeters aus dessen Atelierboden. Der Ausbruch sollte mit Gießharz wieder zu einer quadratmetergroßen Fläche zusammengefügt werden.

Im Rahmen des Projekts gelangten so erwartungsgemäß Quadratmeter aus sehr unterschiedlichen Materialien und sehr unterschiedlicher Beschaffenheit in Umlauf. Das Projekt wurde teilweise dokumentiert. Eine Ausstellung der Bodenteile erfolgte jedoch nicht.

Der in Bröseln vorliegende Quadratmeter aus dem Atelier Albrecht/d.s ging leider komplett verloren. 2014 zeigte die Oberwelt e.V. im Rahmen der Ausstellung „Die Vernunft des Wahnsinns- Georg Büchners ‘Lenz‘“ eine Rekonstruktion des Atelierbodens. Auf einem Stück Teppichboden wurde mit schwarzer Farbe der Bereich des Quadratmeters aufgetragen, den Frank Gräfe und Albrecht/d. nicht mehr ausgemeißelt hatten. Besucher wurden aufgefordert, die dem ausgemeißelten Teil entsprechende Fläche mit gekautem Kaugummi aufzufüllen und ihn auf diese Weise wieder „herzustellen“. Es blieb jedoch nicht aus, dass auch Kaugummi auf den schwarzen Bereich geklebt wurde.

Die Aktion – über ein Jahr nach Albrecht/d.s Tod – war der erste Versuch, mit einem öffentlichen Aufruf das Andenken Albrecht/d.s in Stuttgart aufrecht zu erhalten, nachdem von institutioneller Seite zunächst keine offizielle Würdigung zustande gekommen war. Diese Initiative mündete, zusammen mit den Ansätzen von anderen Personen, letztlich in die Organisation des Abends für Albrecht/d. und die Ausstellung im Württembergischen Kunstverein vom 04.12.2015 – 17.01.2016 durch ein Kollektiv von Personen, das das Werk Albrecht/d.s für die Öffentlichkeit erhalten will.

Im Zuge der Sichtung des Nachlasses von Albrecht/d. wurde auch der Entnahme-Ort dieses Quadratmeters wieder gefunden, auf dem Albrecht/d. zuletzt ein Regal stehen hatte. Die Fotos der Entnahmestelle wurden noch nie öffentlich gezeigt.

Die Narbe im Kellerboden dokumentiert den Austausch mit einem bzw. die Unterstützung eines jüngeren lokalen Künstlers, wie sie für die Aktivitäten von Albrecht/d. bis zuletzt bestimmend waren. Der dafür eingetauschte Gegenquadratmeter fand sich im Nachlass nicht. Über seinen Verbleib ist nichts bekannt.

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