Das Buch ist da – Präsentation 30.06.


Schon während der Vorbereitungsgespräche zum „Abend für Albrecht/d.“ und der Ausstellung im Württembergischen Kunstverein im Dezember 2015 / Januar 2016 begannen auch die Diskussionen um eine mögliche Publikation. Unmittelbar nach der Ausstellung wurde das Projekt zum Buch konkreter.

Nach fast eineinhalb Jahren Arbeit, Sichtung und Recherche ist das Buch nun fertig. Es zeigt auf 336 Seiten mit rund 800 Abbildungen das Werk Albrecht/d.s von frühen Ideen und Aktionen der 1960er Jahre, noch bevor er sich der Fluxus-Bewegung anschloss, über die Jahrzehnte seines kontinuierlichen Schaffens bis zu späten Arbeiten aus dem unvollendeten Zyklus „Yeti Research Project“, der thematisch noch einmal die zentralen Leitgedanken seiner politischen Kunst aufnahm.

Eine Reihe von Gastbeiträgen von Weggefährten und namhaften VertreterInnen aus dem Kunstbereich fächern in Würdigungen und Erinnerungen die thematische Breite des Werks von Albrecht/d. auf anschauliche und eindringliche Weise auf.

Die Ausstellung zur Buchpräsentation eröffnet am Freitag, den 30.06.2017 im Kunstraum Oberwelt e.V., Reinsburgstraße 93, um 19 Uhr. Sie zeigt eine Fülle von Arbeiten insbesondere aus dem Nachlass, von denen manche durchaus bekannt sind, andere jedoch bislang nur selten in Ausstellungen zu sehen waren. Die Ausstellung nimmt das Konzept des Buches auf und führt so durch das künstlerische Gesamtwerk.

Die Performance zur Vernissage basiert auf Grundzügen des performativen Schaffens von Albrecht/d. Alle Beteiligten waren in unterschiedlichen Konstellationen immer wieder mit ihm zusammen aufgetreten.

Das Buch „Albrecht/d. – Zum Berühmtsein eigentlich keine Zeit“ ist zweisprachig (D/E) bei EDITIONrandgruppe erschienen und kann beim Verlag oder dem Oberwelt e.V. bestellt werden.

Marktplatz Stuttgart 1980

Mit der Eröffnung des Dorotheen-Quartiers flammt auch die Diskussion um die Aufwertung des Marktplatzes wieder auf.

Dass der Platz seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg immer eher von verwaltungstechnischem Pragmatismus geprägt war, als eine identitätsstiftende und kulturelle Rolle im Herzen Stuttgarts einzunehmen liegt nicht nur an der Nähe der städtebaulich attraktiveren und durch den ÖPNV besser angebundenen Flächen am Schlossplatz und am Schillerplatz.

Seit dem Ausbau der B 14 liegt der Platz näher am Rand des „City-Rings“ als im Zentrum der Innenstadt. Und die architektonische Botschaft der Neubauten am Platz verstärkte den Effekt. Nicht nur die Fassade des Rathauses zeigt sich zum Platz hin eher kühl, vor allem die Fassade des Breuninger-Kaufhauses grenzt sich zum Platz hin schroff ab, statt sich zu öffnen.

1975-80 gehörte Albrecht/d. dem „Ausschuss Kunst und Bauen – beratender Ausschuss für den technischen Ausschuss des Gemeinderats der Stadt Stuttgart“ an.
1980 führte er eine Aktion auf dem Marktplatz durch, bei der mittels Schablone und Dispersionsfarbe stilisierte Tierdarstellungen auf den Bodenplatten des Platzes aufgebracht wurden. Die Kunstaktion fand im emotional aufgeheizten Bundestagswahlkampf 1980 statt. Die Fotos zeigen teilweise den Infostand der SPD, deren Mitglied Albrecht/d. viele Jahre war.

Räumlichkeit nahm in Albrecht/d.s Schaffen einen besonderen Stellenwert ein, da sie nie Selbstzweck war. Albrecht/d. beschäftigte sich mit Räumlichkeit nicht in bildhauerischer Absicht oder mit dem Ziel Raum durch Rauminstallation bewusst erlebbar zu machen. Er nutzte Raum als Teil seiner Botschaft, indem er seine Kunst im Raum dreidimensional entfaltete. So spielte die Aktion im Wahlkampf einerseits auf den Herdentrieb und die einförmige Enge geradliniger Lebensläufe an. Nebenbei wurde auch die Räumlichkeit des Platzes ins Bewusstsein der Passanten gerückt und (Lebens-)Wege symbolisiert, die sich auf dem Platz kreuzten.

Die Bilder, die seine Aktion dokumentieren, zeigen einerseits die Dimension der Arbeit. Sie werfen aber auch als (damals kaum beachteten) Nebeneffekt ein klares Licht auf die stadtplanerischen Fehler, die den Platz zum reinen Vorhof zwischen Rathaus und Kaufhaus und zum verbreiterten Verbindungsweg zwischen Stadtquartieren degradierten, statt eine offene Architektur zu fördern, die die Fläche den Menschen zum Verweilen und als lebendigen Treffpunkt im Herzen der Stadt erschlossen hätte.

Die Bali Postkarten

1979 schuf Albrecht/d. auf Bali einen Zyklus von dutzenden collagierten Postkarten, die er fast alle an einem einzigen Tag frankieren und abstempeln ließ. Eine kleinere Anzahl verschickte er per Post an Freunde und mehrere an sich selbst. Der größte Teil dieser Postkarten verblieb jedoch mit den Briefmarken und Stempeln auf der Rückseite in seinem Besitz.

Die Postkarten zeigen eine einzigartige Momentaufnahme seines Schaffens, das Spiel mit Formen, mit Wahrnehmung und unserem Empfinden von Realität. Sie zeigen eine tiefgreifende Ehrfurcht vor der Natur und die Inspiration, die Albrecht/d. aus seinen Bali-Reisen gewann.

Noch Jahrzehnte später griff er Ideen und Motive dieser Reisen wieder auf, abstrahierte die Formensprache dieser Postkarten in Tuschezeichnungen und Mischtechniken. Der Katalog wird auch diese Linie in seinem Werk beleuchten.

Einblicke ins Frühwerk

Die Arbeiten am Katalog kommen voran. Wir haben den Erscheinungstermin Juni 2017 bestätigt. Er wird auch Einblicke in das Frühwerk und die Fluxus-Auftritte von Albrecht/d. geben. Das Jugendhaus Stuttgart-Zuffenhausen war mehrmals Schauplatz früher Performances von Albrecht/d., über die sogar die Stuttgarter Zeitung berichtete.

Dort stellte er auch 1968 das Environment „r raum r wie reflection“ aus, das im Titel erstmals das Wort reflection enthielt. Im gleichen Jahr gründete Albrecht/d. die reflection press als verlegerische Komponente seiner künstlerischen Arbeit.

Im Dezember 1986 zeigte der Württembergische Kunstverein mit der Ausstellung „Im Material“ eine Auswahl deutscher Kunst der 1960er Jahre, darunter auch Werke von Dieter Fricker und Albrecht/d.

Im Interview mit Bruno Demattio würdigte Kuratorin Barbara Heuss-Czisch auch Albrecht/d.s Anteil an der künstlerischen Innovation der späten 1960er Jahre. Das Interview erschien in ketchup 12/86.

Demattio schreibt in der Einleitung: „Diese Konfrontation blieb nicht ohne Einfluss auf die Künstler und ihre Kunst, jedoch die braven Formen-der-Farbe-Maler machten damals das Rennen, man konnte sie besser verscherbeln, und die Objektmacher wurden als belanglos belächelt, die politisch engagierten gar ins Abseits gedrängt.“

Quadratmetertausch 2003

2003 initiierte der Stuttgarter Künstler Frank Gräfe das Langzeitprojekt „Quadratmetertausch“. Die Grundidee basierte auf tradierten Tauschsystemen und -ritualen, die auch Weihnachtswichteln, Kettenbriefen oder Mail-Art zugrunde liegen: Jeder gibt etwas und jeder bekommt etwas, aber keinesfalls das, was er selbst gegeben hatte.

Frank Gräfe lud dazu ein, einen Quadratmeter Boden zu tauschen. Mit Albrecht/d. meißelte er zu diesem Zweck Teile eines Quadratmeters aus dessen Atelierboden. Der Ausbruch sollte mit Gießharz wieder zu einer quadratmetergroßen Fläche zusammengefügt werden.

Im Rahmen des Projekts gelangten so erwartungsgemäß Quadratmeter aus sehr unterschiedlichen Materialien und sehr unterschiedlicher Beschaffenheit in Umlauf. Das Projekt wurde teilweise dokumentiert. Eine Ausstellung der Bodenteile erfolgte jedoch nicht.

Der in Bröseln vorliegende Quadratmeter aus dem Atelier Albrecht/d.s ging leider komplett verloren. 2014 zeigte die Oberwelt e.V. im Rahmen der Ausstellung „Die Vernunft des Wahnsinns- Georg Büchners ‘Lenz‘“ eine Rekonstruktion des Atelierbodens. Auf einem Stück Teppichboden wurde mit schwarzer Farbe der Bereich des Quadratmeters aufgetragen, den Frank Gräfe und Albrecht/d. nicht mehr ausgemeißelt hatten. Besucher wurden aufgefordert, die dem ausgemeißelten Teil entsprechende Fläche mit gekautem Kaugummi aufzufüllen und ihn auf diese Weise wieder „herzustellen“. Es blieb jedoch nicht aus, dass auch Kaugummi auf den schwarzen Bereich geklebt wurde.

Die Aktion – über ein Jahr nach Albrecht/d.s Tod – war der erste Versuch, mit einem öffentlichen Aufruf das Andenken Albrecht/d.s in Stuttgart aufrecht zu erhalten, nachdem von institutioneller Seite zunächst keine offizielle Würdigung zustande gekommen war. Diese Initiative mündete, zusammen mit den Ansätzen von anderen Personen, letztlich in die Organisation des Abends für Albrecht/d. und die Ausstellung im Württembergischen Kunstverein vom 04.12.2015 – 17.01.2016 durch ein Kollektiv von Personen, das das Werk Albrecht/d.s für die Öffentlichkeit erhalten will.

Im Zuge der Sichtung des Nachlasses von Albrecht/d. wurde auch der Entnahme-Ort dieses Quadratmeters wieder gefunden, auf dem Albrecht/d. zuletzt ein Regal stehen hatte. Die Fotos der Entnahmestelle wurden noch nie öffentlich gezeigt.

Die Narbe im Kellerboden dokumentiert den Austausch mit einem bzw. die Unterstützung eines jüngeren lokalen Künstlers, wie sie für die Aktivitäten von Albrecht/d. bis zuletzt bestimmend waren. Der dafür eingetauschte Gegenquadratmeter fand sich im Nachlass nicht. Über seinen Verbleib ist nichts bekannt.

Season’s Greetings

Albrecht/d. war Buddhist. Er setzte sich immer wieder mit Religion auseinander. Die Instrumentalisierung von Religion für Kommerz, Herrschaftserhalt, Unterdrückung, Gewalt, Mord und Krieg findet sich an vielen Stellen seines Werkes.

Weihnachtsgrüße von Albrecht/d. waren folglich immer auch Aufforderungen zum Nachdenken und Persiflage.

In diesem Sinne wünschen wir allen, die Albrecht/d. kannten, allen Freunden seiner Kunst und allen Besuchern dieser Seite besinnliche Weihnachten und Alles Gute fürs neue Jahr.

weihnachtsgrusse-seifenoper

Der Katalog kommt

albrecht-d texte 003Im Zuge der Vorbereitungen für die Ausstellung im Württembergischen Kunstverein erwuchs der Wunsch, dem Werk Albrecht/d.s einen Raum einzurichten, der über die Ausstellung hinaus weist, diese überdauert und der unter Umständen sogar auch künftige Ausstellungen von Albrecht/d.s Werk begleiten könnte. So entstand diese Seite.

Während der Arbeiten an dieser Seite entstand auch die Idee einer analogen Dokumentation, eines Katalogs, der als Bestandsaufnahme dient, und der wie dieser Internet-Auftritt eine Basis schaffen soll für Interessierte, und der ermuntern soll sich weiter mit dem Werk Albrecht/d.s zu beschäftigen.

Die Arbeiten haben begonnen, erste Layout-Entwürfe sind entstanden, erste Texte geschrieben. Wir werden in den kommenden Monaten gelegentlich Einblicke in die Arbeit am Katalog geben. Beginnen möchten wir mit einem Blick auf den Schreibtisch, auf dem ein Teil der Quellen zu sehen ist, die für den Katalog herangezogen werden können.